Diskussion über Themen der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in/mit Westafrika einschließlich (und vor allem) der politischen sowie sozio-ökonomischen Bedingungen in den Ländern und was EZ bewirken kann -- oder auch nicht -- oder ob sie aber nicht sogar schadet. ACHTUNG: In Ermangelung von Kommentaren lediglich Beiträge zu EZ-Themen. _________________________________________________________________

11. Dezember 2009

EZ Kritik: Der Privatsektor muss in die Gänge kommen

E+Z 12 / 2009

„Zivilcourage und politische Auseinandersetzung“

"Andrew Mwenda von The Independent in Kampala gehört zu den prominenten afrikanischen Intellektuellen, die die Entwicklungshilfe kritisieren. Er betont, dass der Privatsektor in die Gänge kommen muss.

[ Interview mit Andrew Mwenda ]

E+Z: Ist Entwicklungshilfe schädlich oder nützlich?

Mwenda: Es kommt drauf an. Alles in allem ist Entwicklungshilfe kein effektives Instrument der Politik.
– Erstens richtet sie sich an unsere Armut, nicht an unseren Reichtum. Sie ist darauf gerichtet, unsere Schwächen auszubügeln, anstatt unsere Stärken zu nutzen. Folglich subventioniert sie unser Versagen, anstatt Innovationen und Leistung zu belohnen.
– Zweitens trennt sie Staat und Bürger. Wenn das finanzielle Überleben von Regierungen von den Gebern abhängt, ist es logisch, dass sie sich eher an deren Interessen als an denen ihrer Bürger orientieren. "

Weiter in E+Z: >> „Zivilcourage und politische Auseinandersetzung“

7. Dezember 2009

Klima-Hysterie 2

SPIEGEL-Essay

Scheitern wäre ein Erfolg

Von Bjørn Lomborg

Warum die Menschheit den Klimaschutz vertagen sollte.

Auszüge:

(...) „Um es drastisch zu formulieren: Die ambitioniertesten Kohlendioxid-Einsparungen könnten uns um ein Vielfaches mehr kosten als der Klimawandel selbst. Ohne wirkliche Alternativen zu fossilen Energien würden wir letztlich nur das Wirtschaftswachstum beschädigen. Zweitens: Der Ansatz ist politisch mangelhaft. Denn die Nationen verfolgen ganz unterschiedliche Ziele in Kopenhagen. Sie alle vereint höchstens, dass es ihrer Bevölkerung nicht leicht zu vermitteln sein wird, Emissionen zu reduzieren, nur um dem Rest der Welt in hundert Jahren ein wenig zu helfen. Besonders klar ist dies für die beiden Schlüsselnationen China und Indien, die sehr abhängig sind von fossilen Energiequellen. Nur durch sie gelingt es, Millionen Menschen aus der Armut zu befreien. Die Kluft zwischen Industriestaaten und Schwellenländern in dieser Frage wird das entscheidende Hindernis sein beim Versuch, einen Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll auszuhandeln. China und Indien sind die größten Treibhausgas-Emittenten des 21. Jahrhunderts. Vom Kyoto-Protokoll waren sie noch ausgenommen, weil sie während der Industrialisierung des Westens so wenig emittiert haben. Warum aber sollten China und Indien nun beim Kappen von Kohlendioxid mitmachen? Dem Druck standzuhalten ist für sie viel plausibler. Denn Klimamodelle zeigen, dass China unterm Strich von der globalen Erwärmung sogar eher profitieren wird. Obwohl es auch negative Seiten des Klimawandels gibt, werden die positiven überwiegen. Wärmere Temperaturen kurbeln die landwirtschaftliche Produktion an. Auch wird sich die Gesundheit der Bevölkerung verbessern. Zwar steigt die Zahl der Toten bei Hitzewellen. Gleichzeitig sterben aber im Winter weniger Menschen, etwa an wetterabhängigen Krankheiten wie der Grippe. Denn die globale Erwärmung wird einen viel dramatischeren Effekt auf die minimalen Temperaturen im Winter haben als auf die maximalen Temperaturen des Sommers. Vor allem die Europäer haben vorgeschlagen, dass die reichen Nationen den Entwicklungsländern für die Zustimmung zu einem Vertrag in Kopenhagen etwas bezahlen müssten. Doch sind die Steuerzahler in den Industriestaaten wirklich willens, Hunderte Milliarden Euro in die Entwicklungsländer zu transferieren, nur um Projekte von beschränkter Wirkung zu unterstützen?“ (...) Zum >> Artikel in SPIEGEL Online

Zusätzlich zu den o.g. Argumenten bekomme ich immer die Krise, wenn ich von den Summen höre, die der Norden in den Süden transferieren soll. "Schon mal etwas von Absorptionsfähigkeit (bzw. deren Grenzen) der jeweiligen Verwaltungen/Volkswirtschaften der Länder des Südens gehört?", frage ich mich da jedesmal. Die ist jetzt schon in vielen Fällen überschritten. Von Korruption brauchen wir dann gar nicht mehr zu reden. Zu diesem Thema auch der frühere Blogbeitrag über einen Aufsatz im Cicero Magazin über >> Klima-Hysterie, der in die gleiche Kerbe haut. In dem Blogbeitrag wird auch noch einmal die Zweifelhaftigkeit der Gledtransfers angesprochen.

24. November 2009

Die Entwicklungshilfe-Parabel: Der systemische Denkfehler

Ich schaue gerne immer wieder in „alte“ Schriften und Bücher, da die Probleme, die gegen EZ sprechen, nicht erst seit heute, sondern schon immer bestehen. Bereits in seinem 2002 erschienen Buch hat sich Richard Rottenburg damit befasst:

Weit hergeholte Fakten: Eine Parabel der Entwicklungshilfe

Bei amazon.de, wo das Buch heute noch für fast EUR 30,- erworben werden kann, wird folgende Rezension aus der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 03.12.2002 zitiert:

„Andreas Rosenfelder urteilt in der FAZ: ein ‚epistemologischer Thriller über die Entwicklungshilfe". Er schreibt u.a. "... Rottenburg, als Feldforscher viele Jahre in Afrika unterwegs, erkundete für seine "Parabel der Entwicklungshilfe" die Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit. Doch anstatt verstummt aus dem Felde der Institutionskürzel zurückzukehren, das der Ethnologe mit seinem Diktiergerät wie mit einer Wünschelrute durchforschte, verwandelt Rottenburg die Sprache der Systeme in Poesie. Schon die Einführung der Phantasieländer Normland und Ruritanien und die Verschleierung der Namen weist alle Beteiligten als Gefangene ihrer Fiktionswelten aus ... und aus diesem Spiel gibt es für keinen Mitspieler ein Entkommen. ... Wie die durchgerosteten Schiffe im Hafenbecken und die Lastwagenwracks am Straßenrand übersäen die Überreste verendeter Projekte den afrikanischen Kontinent. Doch im zutiefst widersprüchlichen Grundgedanken der Entwicklungshilfe, die unvermeidlich sowohl auf die Selbständigkeit des Empfängers als auch auf die Vorbildhaftigkeit des Gebers abstellt, sucht niemand den Fehler. ...’ “

Quelle: hier >> klicken

Die Apologeten der EZ meinen ja immer, sie hätten das Instrumentarium im Laufe der Zeit so verfeinert bzw. verbessert, dass „alte“ Kritik nicht mehr zutrifft. Sie übersehen dabei, dass es sich um strukturelle und systemische Probleme handelt, die nicht durch eine Verbesserung der Instrumente und Verfahren behoben werden können. Die Paris Declaration lässt grüßen!
Rottenberg hat das m.E. sehr gut beschrieben (Seite 90):

„Die zeitgenössischen komplexen Gesellschaften Afrikas sind in soziale Welten gegliedert, die intern als Konsensgemeinschaften wahrgenommen werden. In den voneinander getrennten sozialen Welten ist wirtschaftliches und politisches Handeln sozial und kulturell eingebettet, so dass ökonomische und politische Rationalität gemeinschaftlicher Rationalität weitgehend untergeordnet bleibt. In der Sprache Max Webers würde man sagen: Die sozialen Welten erleben sich als Binnenwelten, die sich von ihren Außenwelten dadurch abgrenzen, dass sie zwischen Binnen- und Außenmoral unterscheiden. Während die Verpflichtung zu gegenseitiger Hilfe in der Binnenwelt hoch oben in der Wertehierarchie rangiert, sinkt sie in der Außenwelt unterhalb des Nullpunktes. Eine Folge daraus ist, dass der soziale Raum zwischen den Binnenwelten moralisches Niemandsland ist: hier gilt ein hemmungsloser Erwerbstrieb und es kommt zu einer sich ausbreitenden Käuflichkeit bei allen, die sich hier begegnen.
(…)
Die empirische Kasuistik, zu der man mit Hilfe dieser modernisierungs-theoretischen Folie kommt, lässt in den komplexen Gesellschaften Afrikas folgendes Grundmuster erkennen: Transaktionen, die im Rahmen von Märkten oder Bürokratien stattfinden, werden nicht durch Systemvertrauen, sondern primär durch persönliches Vertrauen abgesichert. Dort, wo die Ethik des Marktes oder der Bürokratie gelten sollte, greifen die Akteure auf die Ethik der Binnenwelt zurück: Die Verpflichtung zu gegenseitiger Hilfe gegenüber konkreten Menschen wird höher eingeschätzt als die Verbundenheit gegenüber unpersönlichen Verfahrensregeln. Schutz- und Loyalitätsverpflichtungen im Rahmen von Verwandtschaft, Freundschaft und Nachbarschaft sowie im Rahmen von Person-Klient-Beziehungen sind wichtiger und verbindlicher als die Befolgung von Regeln, deren Sinn darin besteht, dass sie gerade ohne Ansehen der Person gelten. Sobald sie einmal in Gang gebracht wurden, verstärken sich die Rückgriffe auf Brüderlichkeit rekursiv und werden endemisch. Haben zwei Leute sich erst einmal auf eine Transaktion eingelassen, die in Bezug auf die offiziellen Verfahrensregeln illegal ist, halten sie zukünftig wie Pech und Schwefel zusammen, um die wechselseitige Gefährdung zu minimieren. Das Ergebnis der so skizzierten Vergesellschaftungslücke ist oft eine spezifische Form der Anomie.“

Wenn ich mich gegen EZ ausspreche, dann tun die Apologetenimmer so, als würde ohne sie dann gleich ganz Afrika (noch mehr) am Stock gehen und alles zusammenbrechen (ich überspitze). Das ist aber eine unglaubliche Missachtung der Intelligenz und persönlichen wie wirtschaftlichen Ressourcen der afrikanischen Partner -- wobei zwar immer von Partnern auf Augenhöhe gesprochen wird, im Grunde aber nach wie vor eine koloniale Mentalität an den Tag gelegt wird. Vor allem wird übersehen, dass Afrika ohne unsere EZ besser dran wäre! Hier stimme ich Rotteburg zu bzw. werde von ihm bestätigt, der im Rahmen der Beschreibung von „Spielrunden“ (d.h. von EZ-Projekten bzw. deren positiver Wirkungen) ausführt (Seite 70):

„Es kann schon sein, dass als Nebeneffekt solcher Spielrunden ein paar erfüllt werden. Doch offenbar sind diese Veränderungen nicht groß genug, um das Spiel erfolgreich zu Ende zu bringen. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass die Fortführung dieses Spiels die Entstehung eines anderen, vermutlich besseren Spiels verhindert. Wenn das so ist, bestünde die wichtigste Folge der Entwicklungskooperation in der Verhinderung von besseren Möglichkeiten. Und hier drängt sich gleich der nächste Verdacht auf: Die Verhinderung scheint auf der Arena der Entwicklungskooperation selbst zustande zu kommen, sie lässt sich weder auf Mechanismen zurückführen, die allein in der Gesellschaft verankert sind, um deren Entwicklung es geht, noch auf Mechanismen, die vor allem in den so genannten bzw. liegen. Der Mechanismus, der innerhalb der Entwicklungs-Arena dafür verantwortlich ist, dass das Spiel trotz alledem im Prinzip unverändert weiterläuft, hängt vermutlich mit einem Repräsentationsproblem zusammen.“

Noch einmal, nach fast 31 Jahren in der EZ bin ich davon überzeugt: Sie richtet mehr Schaden an, als sie Positives bewirkt. Vor allem auch deshalb, weil die einzige Daseinsberechtigung der EZ völlig in den Hintergrund getretene ist: EZ muss sich selbst überflüssig machen. Das hat unser neuer Minister kürzlich mal wieder ins Bewusstsein gerufen (>> Im FAZ-Gespräch: Dirk Niebel). Hier zeigt sich auch der Vorteil fachfremder Minister: Sie sprechen die Wahrheit so klar und unschuldig aus. Mal sehen, wie lange noch!

Ich muss auch noch einmal betonen, dass das Herunterfahren der EZ (bzw. die Entwicklung einer Exit-Strategie) NICHT bedeutet, dass damit das Ende der Beziehungen zwischen Afrika und den Rest der Welt eingeläutet würde. Das Gegenteil wäre der Fall!

Weitere >> Leseproben des Rottenburg-Buchs.

19. November 2009

Klima-Hysterie und EL des Südens

Wie sich die Klima-Hysterie tatsächlich auf die EL des Südens auswirkt, wird oft falsch dargestellt.

Cicero Magazin:

>> Die Klima-Hysterie

Die Menschheit steht unmittelbar vor einer Klimakatastrophe. So lautet der Konsens.

(...)

"Ist es wirklich ethisch, die potenziellen Probleme künftiger Generationen über die konkreten Probleme der heute lebenden Menschen zu stellen? Viele in Afrika, Asien und Lateinamerika leiden unter unsäglichen hygienischen Verhältnissen, verschmutztem Wasser und verschmutzter Luft. Dies ist eine der häufigsten Todesursachen von Kindern. Ihnen könnte geholfen werden, hier und heute, mit einfachen technischen Mitteln: Kläranlagen, Elektrifizierung, billige Medikamente. Die Öffentlichkeit hierzulande sorgt sich indes um die Afrikaner als mögliche Klimaopfer in hundert Jahren.

Und noch ein zweites Dilemma wird langsam deutlich: Klimaschutz, so denken die meisten, sei gleichbedeutend mit Umweltschutz. Ein fataler Irrtum. Wenn alle Mittel in die Klimarettung gepumpt werden, geraten Überfischung, Tropenwaldzerstörung, Luft- und Wasserverschmutzung in Entwicklungsländern aus dem Fokus. Schlimmer noch: Schon heute wird Regenwald gerodet, um Ölpalm- und Zuckerrohrplantagen für Bio-Treibstoffe anzupflanzen. Schon heute demonstrieren Mexikaner gegen hohe Brotpreise, weil der Biospritbedarf des Nordens den Mais verteuert. Die „Klima-über-alles“-Stimmung könnte sich zu einem massiven Umweltproblem auswachsen."

Um sich in Sachen "Klimawandel" ein kritisches Bewusstsein zu erhalten, kann ich nur die Lektüre des >> Cicero-Artikels empfehlen. Dort gibt es weitere Links zum Thema. Übrigens: Die Debatte bzw. Kampagne ums Waldsterben lässt grüßen!

Bereits ist von Milliarden Transfers zum Ausgleich der vom Norden verursachten Klimaschäden im Süden die Rede.

>> Africa puts price tag on climate change

"According to a draft resolution, African countries want rich nations to pay 67 billion US dollars a year to mitigate the effects of global warming on the world’s poorest continent. The resolution came out of a meeting held by 10 African leaders in Ethiopia’s capital Addis Ababa to find a common stance ahead of the UN climate conference in Copenhagen in December."

Tja, das liebe Geld. Es solls richten! Wirklich? Prof S B Kendie, Director, Centre for Development Studies, University of Cape Coast, Ghana, schrieb dieser Tage einem meiner ghanaischen Kollegen dazu in einer eMail, die ich als Kopie erhalten habe:

"What do the African leaders need the billions of dollars on climate change for? To fuel more corruption? How transparent have we been as african leaders at all levels to ensure that resources are used for poverty reduction and for growth? We need to question our governance processes and the leadership style and this should be at all levels. The asantehene has set an excellent example. How many of our leaders are willing to take such bold steps when those entrusted with public resources appropriate these to private benefit? Do we as leaders appreciate what is good in our cultures and allow those values to guide our actions? I wonder."

Anstelle von Bargeld müsste das unmittelbare Ziel zunächst sein, den Ausverkauf afrikanischer potentieller landwirtschaftlicher Böden zu verhindern bzw. dem entgegen zu wirken und die kleinbäuerliche Landwirtschaft massiv zu fördern.

18. November 2009

Ich fass es nicht!

Wie sagt man beim Mann: Der Verstand steckt wo ...?! Frauen scheinen trotz aller G... dann doch (im letzten Moment) rationaler zu sein!

Gefälschte Traveller-Schecks
18.11.2009 - INGELHEIM

(gg). Gefälschte Schecks sollte eine 49 Jahre alte Frau zu Geld machen. Die Ingelheimerin hatte bei einer Singlebörse im Internet einen Ghanesen kennengelernt, der ihr letztlich von Geldschwierigkeiten erzählte und sie bat, die Schecks einzulösen. Den Betrag sollte sie dann per Western Union nach Ghana überweisen. Da die Ingelheimerin aber misstrauisch wurde und in weiser Voraussicht die Polizei und die Bank informierte, konnte ein Schaden von 4000 Euro verhindert werden. Die Polizei stellte die aus Ghana zugesandten gefälschten Schecks sicher. Hervorhebung: KDL

Ja, ja die Ghanesen: dass es Ghanaer heißt, kann man ja von einem Zeitungsjournalisten nicht erwarten!

Quelle: >> hier

17. November 2009

Die Sicht des Außenstehenden: Wo fließen bloß all die EZ-Gelder hin? Es ist kein richtiger Fortschritt zu sehen!

Christoffer Steffen ist IT-Spezialist und Geschäftsmann und hat viele Jahre in Westafrika, hauptsächlich Benin, gearbeitet. Er hat(te) engen Kontakt zur EZ-Szene bzw. ihren Apologeten. Neben den Ausländern in Benin – auch aus dem Nicht-EZ-Sektor – hat er aber auch vor allem zur Bevölkerung intimen Kontakt gepflegt. Dabei hat er sich den Blick fürs Wesentliche erhalten. Ich kenne ihn persönlich und lese sein Buch, das er über seine Jahre in Afrika (398 Seiten) geschrieben hat, mit sehr viel Interesse. Es hebt sich von den vielen pseudo-wissenschaftlichen Ergüssen der EZ-Experten erfrischend ab und enthält neben persönlichen Erlebnisse, Erfahrungen und Bewertungen auch einfache, aber korrekt recherchierte Fakten und Hintergründe (so z.B. zum Vooddo oder zur Vielweiberei, to mention but a few).

Besonders freut mich seine Einschätzung der EZ (Seite 36):

„Das Wort ‚Nachhaltigkeit’ ist besonders beliebt und wird als Schlagwort für alles benutzt. Nachhaltige Entwicklungshilfe müsse betrieben werden. Für mich doppelt gemoppelt. Was soll denn das für eine Art von Entwicklungshilfe sein, wenn sie nicht nachhaltig ist? Wenn sich etwas entwickelt, um danach wieder zurückzusinken, dann ist das für mich keine Entwicklung, sondern ein Rückschritt. Entwicklung, so sagt das Wort schon, ist immer nachhaltig. Man könnte hier ewig über den Sinn oder Unsinn von Entwicklungshilfe diskutieren. So einfach, wie ich es in diesen paar Zeilen dargestellt habe, ist es natürlich nicht. Meine persönliche Meinung ist, dass kein richtiger Fortschritt zu sehen ist. Ich sehe nicht, wo all die Gelder hin verschwinden, außer in schöne Arbeitsplätze für uns Deutsche in Benin. Sicher, es hat sich auch einiges gebessert, kein Zweifel. Aber würde es den Beninern schlechter gehen, wenn all wir Helfer nicht in Benin wären? An dieser Stelle der Hinweis auf David Signers* Artikel im Anhang dieses Buchs. Er macht auf für mich anschauliche Weise klar, warum wir nicht einfach unsere europäische Denkweise in die Köpfe der Afrikaner verpflanzen können.“

Zum Letzteren höre ich die EZ-Kollegen schon gleich wieder aufschreien: Aber wir verpflanzen doch gar nicht unsere europäische Denkweise, sondern sehen doch die afrikanische Perspektive (etc. pp.). Um dann zu räsonieren, was sich alles ändern müsse (natürlich durch EZ), damit es bergauf geht. Und merken dabei gar nicht (oder wollen es nicht, denn Dummköpfe sind all die Kolleginnen und Kollegen ja keinesfalls), dass sie aus ihrer kleinen Box, die europäische (oder deutsche) Sozialisation heißt, nicht heraus kommen (mich eingeschlossen).

Chris ist übrigens ein guter Freund des früheren Botschafters in Benin (1996 – 1999), Volker Seitz** (Leseprobe seines Buchs >> Afrika wird armregiert), der sich auch durch leidenschaftliche EZ-Kritik einen Namen in seinem Unruhestrand gemacht hat. Natürlich nicht bei jedem einen guten Namen, versteht sich. Die Vorwürfe sind meistens: Zu pauschal! Das höre ich auch dauernd, denn, wie bei mir, nach fast 31 Jahren Arbeiten und Leben in Afrika (bei Seitz waren es 17 oder 18 Jahre), hat man zu oft mit fein zesilierten Argumenten die EZ ja selbst verteitigt. Irgendwann hat man erkannt, dass man mit Argumenten aber nicht weiter kommt. In beide Richtungen. Wie oben bereits erwähnt, meine Kolleginnen und Kollegen sind ja keine Dummköpfe, im Gegenteil. Aber ihnen fehlt oft die Erfahrung oder Einsicht (das Thema Interessen einschl. Eigeninteressen will ich hier mal aussen vor lassen). Für mich ist es immer öfter ein Déjà-vu-Erlebnis!

Chris’ Buch kann in Deutschland auf seiner Homepage für EUR 25,- inkl. Porto (bei Versand in D.) >> hier bestellt werden.

* David Signer (2004): „Die Ökonomie der Hexerei oder Warum es in Afrika keine Wolkenkratzer gibt“ (456 Seiten) (Infos z.B. >> hier)

** u.a. 1989 - 1992 Ständiger Vertreter im Niger, 2004 – 2008 Botschafter in Kamerun

P.S.: Ich bekomme in beiden Fällen keine Prozente!

16. November 2009

Reloaded: The Economic Hit Man: Cheating Third World Countries

Eine alte Strory, einfach mal wieder zur Erinnerung;
ODER:
Kann der Westen so der chinesischen Herausforderung begegnen?!

Confessions of an Economic Hit Man: How the U.S. Uses Globalization to Cheat Poor Countries Out of Trillions

"We speak with John Perkins, a former respected member of the international banking community. In his book Confessions of an Economic Hit Man he describes how as a highly paid professional, he helped the U.S. cheat poor countries around the globe out of trillions of dollars by lending them more money than they could possibly repay and then take over their economies. [includes rush transcript]

AMY GOODMAN: John Perkins joins us now in our firehouse studio. Welcome to Democracy Now!
JOHN PERKINS: Thank you, Amy. It’s great to be here.
AMY GOODMAN: It’s good to have you with us. Okay, explain this term, “economic hit man,” e.h.m., as you call it.
JOHN PERKINS: Basically what we were trained to do and what our job is to do is to build up the American empire. To bring—to create situations where as many resources as possible flow into this country, to our corporations, and our government, and in fact we’ve been very successful. We’ve built the largest empire in the history of the world. It’s been done over the last 50 years since World War II with very little military might, actually. It’s only in rare instances like Iraq where the military comes in as a last resort. This empire, unlike any other in the history of the world, has been built primarily through economic manipulation, through cheating, through fraud, through seducing people into our way of life, through the economic hit men. I was very much a part of that.
AMY GOODMAN: How did you become one? Who did you work for?
JOHN PERKINS: Well, I was initially recruited while I was in business school back in the late sixties by the National Security Agency, the nation’s largest and least understood spy organization; but ultimately I worked for private corporations. The first real economic hit man was back in the early 1950’s, Kermit Roosevelt, the grandson of Teddy, who overthrew of government of Iran, a democratically elected government, Mossadegh’s government who was Time‘s magazine person of the year; and he was so successful at doing this without any bloodshed—well, there was a little bloodshed, but no military intervention, just spending millions of dollars and replaced Mossadegh with the Shah of Iran. At that point, we understood that this idea of economic hit man was an extremely good one. We didn’t have to worry about the threat of war with Russia when we did it this way. The problem with that was that Roosevelt was a C.I.A. agent. He was a government employee. Had he been caught, we would have been in a lot of trouble. It would have been very embarrassing. So, at that point, the decision was made to use organizations like the C.I.A. and the N.S.A. to recruit potential economic hit men like me and then send us to work for private consulting companies, engineering firms, construction companies, so that if we were caught, there would be no connection with the government.
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Weitere Links zum Thema:

>> Wikipedia
>> Die Homepage von Perkins